Das diesjährige Wesercamp fand neben drei weiteren Flusscamps statt, dem Spreefestival, dem Elbe-Saale-Camp und dem Rheincamp. Dabei hatte das Wesercamp sechs Wochen vor Campbeginn hart mit dem Ausfall der Fähre MS Guntsiet nach Harriersand zu kämpfen. Zuerst überwog noch die Hoffnung, dass der Motorschaden der Fähre sich reparieren ließe oder ein Ersatz gefunden würde. Drei Wochen vor dem Camp war klar: Wir kommen nicht rüber nach Harriersand auf unseren Zeltplatz der Inselfreunde.
Durch den unermüdlichen Einsatz engagierter Einzelpersonen ist es dann gelungen, einen Ersatzort für das Camp zu finden. Eine gute Woche vor Campbeginn hatten wir die Zusage vom LiLuBa – dem LichtLuftBad auf dem Bremer Stadtwerder.
Dieses atmosphärische Kleinod mitten in Bremen, umsäumt von der Weser, war ein sehr schöner Camp-Ort, der auf jeden Fall dafür entschädigte, dass es leider recht häufig geregnet hat. Wir konnten unser Programm umsetzen, auch wenn deutlich weniger Teilnehmer:innen (ca. 70) da waren als letztes Jahr. Dafür gab es wichtige Debatten und Lernprozesse, Kennenlernen und Begegnung, was für die kommenden Jahre des Widerstands gegen die Weservertiefung und für eine regionale Bewegung für eine gerechte Landwirtschaft eine gute Grundlage bietet.

Der Höhepunkt des Camps war unser Aktionstag am Samstag dem 06.06. in Brake mit 150 Teilnehmer:innen zu Wasser & Land. Hier konnten wir die Vielfalt der Bewegung zeigen und uns gegenseitig inspirieren. So gab es eine Kletteraktion von Robin Wood, eine Paddelaktion mit 35 Kanut:innen organisiert von den Bremer Kanu-Wanderern, einen Schlepper mit Hänger von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Bremen/Niedersachsen und eine Zubringerfahrraddemo von Fridays For Future mit 45 Radler:innen zum Thema A20-Bau. Es gab eine Vielzahl von interessanten Redebeiträgen zu Weservertiefung und Wassersport (Annette Chapligin / BUND Wesermarsch und Elke Grunwald u. Marie Gerland / Bremer Kanu-Wanderer), Landwirtschaftspolitik (Patrick Müller / BUND und Jochen Vogt / AbL), Weidehaltung (Jutta Sundermann / Aktion Agrar), der geplanten A20 von Bele Dietrich / FFF Rastede und zum Schluss ein aufgenommener Redebeitrag vom Brasilianer Prof. Dr. Antonio Andrioli, einem ehemaligen Sojabauern und Agrarökologen.
Von der Demo und den Aktionen wurde breit berichtet, so z.B. bei Hallo Niedersachsen im NDR, der Nordwest-Zeitung und der Kreiszeitung Wesermarsch. Am Brake Hafen mit seinem Betreiber J.Müller als größtem Soja- und Zellstoffimporthafen Deutschlands und der Braker Fettraffinerie von Olenex mit ihren Palmölimporten kommen wie in einem Brennglas weltweite Lieferketten und die damit verbundene Ausbeutung und Zerstörung global und lokal zusammen. An diesem strategisch wichtigen Ort konnten wir viele unterschiedliche Akteure von Wasser- und Weserschützer:innen über Bäuer:innen und landwirtschaftliche Aktivist:innen zu Wassersportler:innen und Menschen, die sich für gerechte Welthandelsverhältnisse, Regenwald- und Klimaschutz engagieren, zusammenbringen. Hier werden wir weiter für Weserschutz und gerechte Landwirtschaft zusammenkommen und den Widerstand gegen J.Müller als Hauptprofiteur der Weservertiefung wachsen lassen.